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Die VLÖ ist die Berufsorganisation für landw. und forstw. Lohnunternehmen in
Österreich. Sie vertritt die Anliegen der Berufsbranche und ist Ansprechpartner
für alle Fragen rund um den Betrieb eines Lohnunternehmens.

In den letzten Monaten und Wochen sind die Preise für land- und forstwirtschaftliche Vorleistungen und Betriebsmittel sehr stark gestiegen. Im folgenden Beitrag soll die Auswirkung dieser Kostensteigerungen auf die Wirtschaftlichkeit und mögliche Handlungsfelder für Betriebe und auch vorgelagerte Dienstleister dargestellt werden.

Die dargestellten Kalkulationen beruhen auf der Datengrundlage Anfang Juni 2022. Sie sind eine Ableitung anhand durchschnittlicher Leistungs- und Kostenverhältnisse und lassen nur bedingt Aussagen bezüglich Gewinn/Verlust von einzelnen Betrieben und Branchen zu. Erfahrungsgemäß sind die Unterschiede bei Deckungsbeiträgen und Stundenentlohnung bei Betrieben innerhalb einer Branche häufig größer als zwischen verschiedenen Betriebszweigen.

Vorleistungskostensteigerungen bei Landwirten und Dienstleistern

Im Bereich der land- und forstwirtschaftlichen Betriebsmittel gibt es generell steigende Preise und damit Kosten, wobei diese Steigerungen je nach Produktgruppe und Ankaufszeitpunkt unterschiedlich hoch ausfallen. Folgende Auflistung soll die Preisentwicklung der letzten 12 Monate – vom ersten HJ 2021 auf das erste HJ 2022 erläutern:

 

  • Saatgut: Preissteigerung bis 20%
  • Düngemittel:
    • Stickstoff-Dünger von 0,90 auf ca. 3,25 Euro pro kg N
    • Phosphor-Dünger von 0,70 auf ca. 1,30 Euro pro kg P2O5
    • Kali-Dünger von 0,70 auf ca. 1,28 Euro pro kg K2O
  • Pflanzenschutzmittel: Preissteigerung um ca. 5% von 2021 auf 2022, einzelne Wirkstoffe deutliche Verteuerung z.B. Glyphosat
  • Kraftfutter: Preissteigerungen bis zu 100%
  • Silofolien z.B. + 35%, Rundballennetze z.B. + 45% - zeitweise Lieferschwierigkeiten
  • Diesel: Preissteigerung von 1,12 auf 1,84 Euro/Liter (April 2022, Mai 2022, Juni 2022)
  • Strom: Verdoppelung bis Verdreifachung, weitere Preissteigerungen angekündigt
  • Reparaturen und Instandhaltung: je nach Warengruppe um ca. 20% (bis 50%), manche Ersatzteile z.B. Traktorreifen zweitweise nicht lieferbar

Um nun den Einfluss dieser Kostensteigerung auf die Wirtschaftlichkeit der landwirtschaftlichen Tätigkeit objektiv darzustellen, muss man die Betrachtungs- und Vergleichszeiträume entsprechend wählen und erläutern. Im Bereich der Marktfrüchte konnten bei vielen Kulturen (z.B. Winterweizen) im Erntejahr 2021 bereits deutlich höhere Erzeugerpreise als in den Vorjahren bei noch niedrigen Input-Preisen erzielt werden.

Die Deckungsbeiträge und auch die Einkommenssituation im Ackerbau war daher 2021 in vielen Bereichen besser als in den Vorjahren – allerdings waren die erzielten Überschüsse notwendig, um die stark steigenden Betriebsmittel, allen voran die Düngemittel, aber auch alle Formen von Energie, vorzufinanzieren.

Für das Erntejahr 2022 kann man aus heutiger Sicht davon ausgehen, dass bei vielen Kulturen die Betriebsmittelkosten gedeckt und interessante Deckungsbeiträge erzielt werden können.

Hier sind aber einige Aspekte zu bedenken:

  • Erzeugerpreise sind sehr volatil – Preisniveau zur Ernte kann sich noch ändern – Vorkontrakte für Teilmengen falls noch nicht erfolgt jedenfalls anzudenken
  • Vorleistungskostensteigerungen im Bereich Mechanisierung, Gebäude, Arbeitskräfte und allgemeine Betriebskosten (Versicherungen, Finanzierung, Pachtkosten, …) sind abzudecken
  • Preise werden auch wieder fallen – dann umgekehrte Situation von 2021 – hohe Inputkosten und niedrige Erzeugerpreise erfordern Liquidität
  • Bei Vertragsproduktion hängt es von den Vermarktungsmöglichkeiten und dem „Goodwill“ der Vertragspartner ab, inwieweit das höhere Preisniveau Berücksichtigung findet

 

Ackerbau am Beispiel Körnermais

 Die dargestellte Kalkulation wurde mit Hilfe der interaktiven Deckungsbeiträge der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft erstellt. Es wird von einem Ertrag von 9t Körnermais ausgegangen, Annahmen betreffend Saatgut, Dünger, Pflanzenschutz und variable Maschinenkosten wurden einheitlich angenommen und die Preise des jeweiligen Betrachtungszeitraumes unterstellt.

Aus Sicht des Körnermaises waren die Jahre 2016 bis 2020 von eher stabil niedrigen Erzeugerpreisen geprägt, was einen durchschnittlichen Deckungsbeitrag aus der Produktion um 126 Euro pro ha bei Vermarktung als Trockenmais ergeben hat. Das Jahr 2021 zeigt die Auswirkung eines höheren Preises um 250 Euro pro t bei noch niedrigen variablen Kosten.

Der erzielbare Deckungsbeitrag des Jahres 2022 ist aus heutiger Sicht noch offen, falls der Preis noch nicht abgesichert worden ist.

Jedenfalls sind höhere variable Kosten abzudecken:

Ersichtlich ist Preissteigerung von Saatgut und Pflanzenschutz, was pro ha jeweils um 10 Euro an höheren Kosten ausmacht. Unterstellt man die Düngung auf Entzug, so zeigt sich eine Verdreifachung der Düngerkosten auf knapp 600 Euro pro ha. Auch bei den variablen Maschinenkosten zeigt sich eine Erhöhung durch höhere Dieselkosten, Reparaturkosten und Lohnarbeiten (z.B. Lohndrusch), unter den obigen Annahmen erhöhen sich diese um 56 Euro pro ha auf 401 Euro.

Die tatsächlichen Trocknungskosten im Herbst sind noch offen. In der beispielhaften Kalkulation wird eine Erhöhung von 45 Euro pro t Trockenmais auf 68 Euro unterstellt (jeweils inkl. USt.) Die tatsächlichen Trocknungskosten werden stark vom Energieträger abhängig sein.

Kann ein Preis von 300,00 Euro erzielt werden, so würde sich ein Deckungsbeitrag von 757 Euro errechnen. Um einen Deckungsbeitrag von 127 Euro zu erzielen, wäre ein Preis von 230 Euro pro t notwendig. Unter einem Preis von 215 Euro pro t kann bei den heurigen Input-Kosten unter den getroffenen Annahmen nur ein negativer Deckungsbeitrag erzielt werden.

 

Tierhaltung am Beispiel Milchproduktion

Es wird von konventioneller Milchviehhaltung mit 7.500 kg abgeliefert Milch pro Kuh und Jahr ausgegangen. Der Erzeugerpreis für gentechnikfreie Qualitätsmilch ist im Juni 2022 mit 52,8 Cent brutto im Vergleich mit dem Fünf-Jahres-Durchschnittspreis vor dieser Teuerungswelle (März 2016 bis März 2021) um 14,7 Cent höher. In Verbindung mit den höheren Schlachtkuhpreisen errechnet sich umgerechnet auf 1 kg Milch ein Plus von 16,1 Cent. Bei den variablen Kosten betreffen die Kostensteigerungen vor allem die Bereiche Kraftfutter (+ 6 Cent), Energie (+ 2,5 Cent) und die Grundfutterproduktion (Düngerkosten, Silofolien, Ersatzteile) mit 2,9 Cent, was einer Kostensteigerung von ca. 11 Cent pro kg Milch entspricht.

 

So verteuern gestiegene Kraftfutter-, Energie- und andere Betriebsmittelkosten die Remontierung um 0,7 Cent pro kg Milch bei eigener Aufzucht der Kalbinnen. Diese Mehrkosten werden sich mittelfristig auch auf die Zuchtkalbinnenpreise durchschlagen müssen.

Am größten und schmerzhaftesten trifft viele Betriebe der Anstieg der Kraftfutterkosten. Bei einem Betrieb mit 8.000 kg Milchleistung und 2.000 kg Kraftfuttereinsatz pro Kuh und Jahr fallen derzeit Kraftfutterkosten von über 12 Cent pro kg Milch an, was einen Anstieg um ca. 6 Cent entspricht. In solchen Extremjahren zeigt sich, wie vorteilhaft eine eigene Kraftfutterproduktion am Betrieb und/oder eine Einlagerung zur Ernte sein kann. Die doch deutlich gestiegenen variablen Kosten (zB + 11 Cent pro kg Milch) lassen weniger Spielraum als erwartet zu Abfederung der Kostensteigerung im Bereich der Fixkosten zu.

 

Situation bei anderen Betriebszweigen

 

Die beiden Fallbeispiele „Körnermais“ und „Milchproduktion“ sind Positivbeispiele, bei denen die Mehrkosten im Bereich der variablen Kosten derzeit abgedeckt werden können. Gestiegene Technik- und Baukosten werden die zukünftigen Produktionskosten in allen Bereichen verteuern.

Im Bereich der Rindermast spitzt sich die wirtschaftliche Situation durch wöchentlich fallende Erzeugerpreise aktuell stark zu, bei der extensiven Rinderhaltung (Mutterkuhhaltung, Kalbinnenaufzucht) gab es (noch) keine Erzeugerpreissteigerungen und dadurch können die Mehrkosten vielfach nicht abgedeckt werden.

Betriebe mit Schweinehaltung kämpfen schon länger mit unzureichenden Preisen, wobei aktuell vor allem die hohen Kraftfutterkosten und eine schwierige Marktlage keine Fixkostendeckung ermöglichen. Mittels Corona-Hilfen konnten zumindest zeitweise Verluste abgefedert werden.

Generell spüren auch große Teile der Bevölkerung die steigenden Energie- und Lebenshaltungskosten und versuchen, bei den Lebensmitteln etwas Geld einzusparen, was sich in geringeren Absatzzahlen auswirkt (z.B. sinkender BIO-Anteil, Probleme beim Rindfleisch-Absatz, Rückgänge im Bereich der weißen Palette, Eier, etc …). Es ist absehbar, dass steigende Kosten nur zum Teil an die Verbraucher weitergegeben werden können und Erzeugerpreise nicht in den Himmel wachsen werden.

 

Auswirkungen für überbetriebliche Leistungserbringer

Wie in der Vorausgabe detailliert beschrieben („Steigende Betriebsmittelkosten fordern Veränderungen beim Dienstleistungspreis“, ab Seite 32) müssen Leistungserbringer Steigerung der Vorleistungskosten weitergeben. Landwirte ihrerseits müssen aber diese Mehrkosten auch erwirtschaften können – gemeinsam muss versucht werden den Maschineneinsatz und die Produktion weiter zu optimieren.

Handlungsfelder gibt es viele – niedrige Dieselpreise in den letzten Jahren verzeihten eine nicht optimale Einsatzplanung und hohe Straßenanteile durchaus. Parameter wie Arbeitsqualität, Maschineneinstellung und auch Sorgsamkeit spielen bei hohen Diesel-, Reparatur- und Betriebsmittelkosten (z.B. Wickelfolie) eine deutlich höhere Rolle. Hier ist die Erwartungshaltung der Landwirte sicher höher als in Zeiten niedrigerer Kosten.

Gemeinsam sollte auch versucht werden, die Arbeitsverfahren und Prozessketten zu optimieren. So können gestiegene Folienkosten durchaus dazu führen, dass eventuell vorhandene Fahrsiloressourcen wieder besser ausgenutzt oder die Möglichkeit von flexibleren Systemen (z.B. Silohaufen, SiloSpeed, Siloschlauch …) vermehrt genutzt werden.

Die nachhaltig hohen Kraftfutterkosten erfordern hohe Grundfutterqualitäten – eine Rücknahme der Nutzungsintensität im Grünland und Feldfutterbau sollte gut durchdacht werden. Weiter entfernte Flächen können nach dem Vorbild der abgestuften Wiesennutzung weniger intensiv genutzt und z.B. für die Kalbinnenaufzucht oder Trockensteher herangezogen werden – hier kann das Ballensystem einzelbetrieblich durchaus vorteilhaft sein – spätere Transportmöglichkeit, separate Fütterung, Entzerrung von Arbeitsspitzen und weniger Gülletransport sind als mögliche Vorteile zu nennen.

An hohe Düngerkosten werden wir uns leider gewöhnen müssen – daher sind Mineral- und auch Wirtschaftsdünger noch bedarfsgerechter einzusetzen und Verluste sind auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht auf ein Minimum zu reduzieren. Im Bereich der Rinderhaltung wird die Separation auf Grund der Fördermöglichkeiten einen starken Zuspruch erfahren – hier können einzelbetriebliche Investitionen durchaus sinnvoll sein. Im Gegenzug wird sich die Frage stellen, ob nicht die bodennahe Ausbringung besser überbetrieblich erfolgen kann.

Fazit

Gestiegene Preise und Kosten führen dazu, dass verschwenderischer Umgang mit Betriebsmitteln abgestellt und liebgewonnene Gewohnheiten hinterfragt werden müssen.

Hier sind Landwirte und Lohnunternehmer gemeinsam gefordert, die Arbeitsverfahren zu optimieren und Anpassungen (Intensität, Fruchtfolge, Konservierungssystem, …) vorzunehmen, um die steigenden Vorleistungskosten abfedern und tragen zu können.

Stark steigende Preise im Bereich der Investitionen (Maschinen und Geräte, Baukosten) werden die landwirtschaftliche Produktion zusammen mit den höheren Betriebsmittekosten in den nächsten Monaten und Jahren verteuern und ein höheres Erzeugerpreisniveau notwendig machen.

 

Dieser Beitrag wurde von DI Gerald Biedermann, LK Niederösterreich, zur Verfügung gestellt.

 

 

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